Mündliches Abitur
Augen zu und durch!
Durchfall, Magenschmerzen und Übelkeit sind die typischen Symptome der "Ich-will-nicht-in-die-mündliche-Prüfung-ich-habe-Angst-Krankheit".
Halb verhungert (das Essen ist entweder nicht dringeblieben oder man hat es gar nicht erst runterbekommen) und leichenblass stehen die ersten Schüler der Stufe 13 am 15. Mai 2000 vor dem Sekretariat und warten darauf, dass sie von ihrem Fachlehrer in den Vorbereitungsraum geholt werden.
Frau Prehn
versorgt noch einige "Notfälle" mit Mineralwasser, der Rest hält sich mit Dextro-Energen fit oder sitzt einfach still in der Ecke.
Dann ist es soweit. Für die Ersten beginnt die Vorbereitungszeit. Man wünscht sich gegenseitig viel Glück und verspricht, dem anderen die Daumen zu drücken. Nun bekommt man die Aufgabenstellung zugeteilt. Die 30 Minuten vergehen viel zu schnell, die Materialien können nur oberflächlich bearbeitet werden, die letzte Frage ist noch nicht beantwortet - naja, zu spät! Schon befindet man sich auf dem Weg zum Prüfungsraum und bekommt die letzten aufmunternden Worte zugesprochen. Das beruhigt allerdings nur für kurze Zeit, denn spätestens wenn man den Prüfungsraum betritt, ist die ganze Aufregung wieder da. Kein Wunder, wenn man von neun neugierigen Köpfen angestarrt wird, die alle darauf warten, dass man etwas Produktives von sich gibt.
Die ersten Minuten werden zur Qual. Zitternd greift man zum Wasserglas, denn der Mund ist staubtrocken. Nur stockend kommen die ersten Sätze heraus, denn plötzlich fallen einem die einfachsten Woerter nicht mehr ein. Da kann es schon mal vorkommen, dass man behauptet, statt der Klimakarte die Wetterkarte aufzuschlagen oder dass man bei der historischen Entwicklung der Stadt Berlin völlig vergisst, die Trennung durch die Mauer zu erwähnen.
Nach kurzer Zeit allerdings sind Unsicherheit und Angst (bei den meisten zumindest) wie weggeblasen und die Menschen um einen herum vergessen. Das ganze mühevoll angeeignete Wissen (sofern man sich welches angeeignet hat) sprudelt heraus und ehe man sich versieht, ist die 30minütige Prüfungszeit auch schon vorbei.
Erleichterung macht sich breit und man stellt sich die Frage: "War es wirklich nötig, dass ich mich vorher so verrückt gemacht habe?"