Crosslauf
Die Quälerei hat ein Ende!
Es ist Mittwoch, der 29. September 1999, 7:30 Uhr. Meine Mutter kommt in mein Zimmer, um mich zu wecken. Noch im Halbschlaf frage ich sie: "Regnet's??" Die Antwort lässt mich aufstöhnen. Es regnet nicht! Allerdings stelle ich bei einem Blick aus dem Fenster fest, dass der Himmel verdächtig grau ist. Das lässt mich noch hoffen. Bis zum Start der Stufe 13 um 13:00 Uhr kann schließlich noch eine ganze Menge passieren. Ich weiss zwar nicht, ob Petrus bestechlich ist, aber den Hunni habe ich bereits letzte Woche überwiesen.
Als ich in der Schule ankomme, fallen mir die glücklichen Gesichter meiner Mitschüler auf. Obwohl einige einen dicken Schal um den Hals gebunden haben, was auf eine Erkältung deuten lässt, haben sie dennoch ein breites Grinsen auf den Lippen. Das macht mich misstrauisch, denn an einem Tag wie diesem gibt es wirklich nichts zu grinsen - es sei denn man hat ein Attest! Das erklärt natürlich die gute Laune. Meine Laune dagegen verschlechtert sich zunehmend. Auch dieses Jahr haben ich es nicht geschafft, mir ein Attest zu besorgen. Ich beschimpfe die, die nicht mitlaufen als unfair und gemein, dabei bin ich eigentlich nur neidisch. Ich kann nicht glauben, das jedes Jahr immer ausgerechnet die ein Attest haben, die noch langsamer laufen als ich (wenn das überhaupt noch möglich ist), und ich mich, wenn das so weitergeht, bald als Schlusslicht wiederfinde. Naja, hard times würde ich sagen (Insider). Als Anregung für die folgenden Jahre schlage ich vor, einige Tage vor dem Crosslauf eine Liste sämtlicher Ärzte ans Schwarze Brett zu hängen, die gerne ein Attest für arme, crosslaufgeplagte Schüler ausstellen. Ich denke, erfahrene Mitschüler geben da sicher gerne ein paar Tips, oder?
Im Laufe des Vormittags blicke ich während des Unterrichts noch einige Male hoffnungsvoll aus dem Fenster und beobachte das Wettergeschehen. Humide und aride Perioden wechseln sich ab (Grüße an den Erdkunde-LK bei
Frau Haase-Krautz),
doch als ich gegen 12:30 Uhr an der Crosslaufstrecke ankomme, ist es trocken. Um mich herum wird sich warmgelaufen und gedehnt. Mein Magen krampft sich zusammen. Jetzt bloß nicht nervös werden! Nur noch wenige Minuten, dann geht es los. Mit dem Slogan auf dem Rücken: "ABI 2000 - Das Ziel vor Augen" begebe ich mich zum Start. "Einer der wichtigsten Gründe, das ABI zu bestehen" schießt es mir durch den Kopf, "ist es eigentlich, nie mehr am Crosslauf teilnehmen zu müssen."
Und dann fängt es plötzlich an zu regnen. Normalerweise wäre ich vor Freude in die Luft gesprungen, aber ich ahne, was auf uns zukommt: Wir laufen im Regen! Als der Startschuss fällt, sind wir schon alle klatschnass, aber das ist ja nun wirklich kein Grund, den Lauf abzublasen, oder? Der Regen wird während des Laufes für mich zu einem großen Problem: riesige Tropfen auf meiner Brille schränken die Sicht ein und mehrere Male drohe ich zu stürzen. Mit einer Zeit von 13:56 Min. laufe ich schließlich doch noch ins Ziel ein. "Geschafft! Nie wieder Crosslauf!" sind die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schwirren. Hilfsbereite Lehrer eilen herbei, um den Läufern ein paar tröstende Worte zuzusprechen: "Nach neun Crossläufen war das doch nun gar kein Problem mehr!" Es tut mir leid, Frau Schedler, aber da irren sie sich!
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